Überstunden berechnen: nur mit vereinbartem oder tariflichem Zuschlag
Überstunden in Deutschland rechnen: Stunden mal Lohn, Zuschlag nur bei Tarif oder Vertrag. Beispiele 160,00 € mit 25 % TV und 128,00 € ohne Zuschlag, plus Mindestlohn 13,90 €.
Kurz gesagt
- Grundformel: Überstunden × Bruttostundenlohn. Einen Zuschlag multiplizieren Sie nur, wenn Vertrag oder Tarif ihn wirklich vorsehen.
- Es gibt keinen gesetzlichen Bundes-Überstunden-%. 25 % sind kein Default.
- Der Mindestlohn von 13,90 € ab 01.01.2026 ist die Untergrenze je geleisteter Stunde, auch bei Mehrarbeit.
- Nacht, Sonntag und Feiertag folgen eigenen Regeln. Zuschlagshöhen stehen fast immer im Tarif oder Vertrag.
Die Formel ohne erfundenen Zuschlag
Zuerst den Bruttostundenlohn bestimmen. Bei Monatsgehalt gilt eine betriebliche oder tarifliche Umrechnung (häufig Wochenstunden × 4,35 oder ein vertraglicher Teiler). Dann:
Rechtlicher Rahmen: Unbezahlte Überstunden: Rechte und Nachweis · Vergütung oder Ausgleich.
Beispiel A: Tarifzuschlag 25 % (nur wenn er gilt)
Annahme, die für Sie klar im Tarif steht: 25 % Zuschlag auf jede Überstunde. Stundenlohn 16,00 €, 8 Überstunden in der Woche.
- Grundvergütung: 8 × 16,00 € = 128,00 €
- Zuschlag 25 %: 128,00 € × 0,25 = 32,00 €
- Oder in einem Schritt: 8 × 16,00 € × 1,25 = 160,00 € brutto
Ohne den Tariftext dürfen Sie diese 160,00 € nicht als gesetzlichen Anspruch darstellen. Der Faktor 1,25 kommt hier nur aus der angenommenen TV-Regel, nicht aus dem ArbZG.
Beispiel B: kein Tarifzuschlag
Dieselben 8 Stunden à 16,00 €, aber weder Tarif noch Vertrag sehen einen Zuschlag vor. Dann gilt zunächst nur die Grundvergütung:
8 × 16,00 € = 128,00 € brutto. Nicht 160,00 €. Wer hier 25 % „dazudenkt“, erfindet einen Bundes-Satz.
Ob stattdessen Freizeitausgleich 1:1 geschuldet ist, steht wieder in Ihren Unterlagen. Ein nie abbaubares Zeitkonto entwertet den Ausgleich praktisch, ändert aber die Rechenformel nicht von selbst.
Mindestlohn als Untergrenze
Liegt Ihr effektiver Stundenlohn unter 13,90 € (ab 01.01.2026, MiLoG / BMAS), ist jede geleistete Stunde einschließlich Überstunden nachzuziehen. 8 Überstunden à 13,90 € = 111,20 € allein für die gesetzliche Untergrenze (8 × 13,90 = 111,20).
Branchenmindestlöhne nach AEntG können höher liegen. Lesen Sie die amtliche Liste, erfinden Sie keinen Branchensatz. Mindestlohn 2026 · Branchenmindestlöhne und AEntG.
Nacht, Sonntag, Feiertag: getrennt rechnen
Nachtarbeitnehmerinnen und Nachtarbeitnehmer (§ 2 Abs. 5 ArbZG) haben ohne tarifliche Ausgleichsregelung nach § 6 Abs. 5 Anspruch auf angemessene bezahlte freie Tage oder einen angemessenen Zuschlag. BAG-Orientierungswerte um 25 % bzw. 30 % (Dauernachtarbeit) sind Rechtsprechung, kein gesetzlicher Prozent im ArbZG. Nachtarbeit: Zuschlag oder Ausgleich.
Sonntags- und Feiertagsarbeit: Beschäftigungsverbot mit Ausnahmen (§§ 9 bis 11 ArbZG). Welche Tage Feiertage sind, bestimmt das Landesrecht. Zuschläge stehen typischerweise im Tarif oder Vertrag. Sonntags- und Feiertagsarbeit · Gesetz, Tarif, Vertrag.
Welche Zahlen Sie belegen müssen
- Beginn, Ende, Pausen und das Datum jeder Mehrstunde
- Anordnung oder Duldung (Mail, Chat, Dienstplan)
- Der für Sie geltende Tarif- oder Vertragstext zum Zuschlag
- Abrechnung und der dort ausgewiesene Stundenlohn
Ohne Erfassung bleibt die Schätzung unsicher. Zur Pflicht: Arbeitszeiterfassung (BAG / ArbSchG). Zu Fristen: Verjährung und Lohnklage.
Häufige Fragen
Darf ich immer mit 1,25 rechnen?
Nur wenn Ihre Regelung 25 % vorsieht. Sonst bleibt es bei Stunden × Lohn (Beispiel B: 128,00 €, nicht 160,00 €).
Zählt der Mindestlohn vor oder nach dem Zuschlag?
Der Mindestlohn ist die Untergrenze je Zeitstunde. Ein tariflicher Zuschlag kommt obendrauf, wenn er gilt. Unter 13,90 € brutto je Stunde (ab 2026) ist die Stunde schon ohne Zuschlag zu niedrig.
Wie rechne ich ein Monatsgehalt um?
Nutzen Sie den Teiler aus Vertrag oder Tarif. Eine grobe Näherung ist Monatsbrutto ÷ (Wochenstunden × 4,35). Schreiben Sie den verwendeten Teiler dazu, wenn Sie den Arbeitgeber anschreiben.
Sind Nettobeträge die richtige Basis?
Nein. Rechnen Sie brutto. Netto hängt von Steuerklasse und Sozialversicherung ab und ist keine Anspruchsgrundlage.
Offizielle Quellen
- Arbeitszeitgesetz (Rahmen, nicht Zuschlagsformel)
- MiLoG · BMAS Mindestlohn
- § 6 ArbZG (Nachtausgleich)
Schätzung vorbereiten
Paye Mes Heures kann Ihnen helfen, Stundenlisten und Euro-Schätzungen zusammenzustellen. Der DE-Simulator ist nicht so ausgereift wie der französische und kennt Ihren Tarif nicht automatisch. Prüfen Sie jeden Zuschlag gegen den Vertragstext, bevor Sie eine Zahl als Anspruch behaupten.
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